Kontrastbewältigung im Sandwich-Verfahren

Tutorial Photoshop

Belichtungsreihe Friedenskirche. Foto © Dietrich Hackenberg

Fenster im Gegenlicht, Leuchtquellen im Bild — Bei hohem Kontrastumfang kombiniere ich Bilder einer Belichtungsreihe in Photoshop. Wie ein Sandwich gestapelte Photoshopebenen werden über Masken manuell zu einem ausgeglichenem Bild verschmolzen. Kontrastbewältigung ohne den unrealistischen Look des automatisierten HDR-Verfahrens.

Innenaufnahmen mit Aussicht nach Draussen oder strahlende Lampen im Bild sind meist so kontrastreich, dass der Sensor der Digitalkamera die Helligkeitsunterschiede nicht bewältigen kann. Belichtet man auf die Schatten, brennen Fenster und Lichtquellen aus, belichtet man auf die Lichter, laufen die dunklen Partien des Bildes zu. Abhilfe schafft eine Belichtungsreihe von drei Aufnahmen oder mehr, die später am Computer in Photoshopebenen übereinandergelegt werden.

Bracketing

Die Aufnahmen werden bei gleicher Blendenöffnung des Objektives mit jeweils verdoppelter und halbierter Belichtungszeit vom Stativ gemacht. Ist das Motiv sehr kontrastreich, vergrößert man die Belichtungsschritte auf bis zu zwei Belichtungsstufen oder macht weitere Aufnahmen mit veränderter Belichtungszeit. Diese Belichtungsreihen fertigen Kameras wie die Nikon-Spiegelreflexkameras automatisch über die sogennannte Bracketing Funktion (1). Damit lassen sich Belichtungsabstand und die Anzahl der Belichtungen bequem vorab einstellen.

1. Die Bracketing Einstellung (BKT) in drei Belichtungsstufen an der Nikon D700 – hier eine Verdopplung und eine Halbierung der Zeit. Foto © Dietrich Hackenberg

1. Die Bracketing Einstellung (BKT) in drei Belichtungsstufen an der Nikon D700 – hier eine Verdopplung und eine Halbierung der Zeit.

Wichtig ist, die Schärfe manuel zu justieren und die Belichtung nicht über die Blende zu regeln, damit man Bilder mit deckungsgleichem Focuspunkt und gleicher Tiefenschärfe erhält.
Ich fotografiere Architektur grundsätzlich im Raw-Modus, deshalb brauche ich mir um einen gleichartigen Weißabgleich keine Gedanken machen, der wird im Raw-Bearbeitungsprogramm angepasst.

Grundbearbeitung in Camera Raw

Am Computer wähle ich drei geeignete Belichtungen des Motivs im Bildverwaltungs-Programm Adobe Bridge aus und öffne sie als Raw-Dateien in Photoshop Camera Raw. An der mittleren Belichtung nehme ich nun Grundeinstellungen wie Korrektur der Farbtemperatur, der Klarheit, der Gradiationskurve oder der Luminanz einzelner Farben vor (2).

2. Alle drei Dateien in Camera Raw öffnen, und allgemeine Bearbeitungsschritte wie z.B. “Farbtemperatur einstellen” an mittlerer Belichtung vornehmen. Tutorialbild © Dietrich Hackenberg

2. Alle drei Dateien in Camera Raw öffnen, und allgemeine Bearbeitungsschritte wie z.B. “Farbtemperatur einstellen” an mittlerer Belichtung vornehmen.

Unter dem Bedienfeld Objektivkorrektur mildere ich die Cyan/Roten und Blau/Gelben Farbränder ab, die durch die chromatischen Aberration des Objektivs entstanden sind (3). Solche Objektivfehler sind bei kontrastreichen Motiven besonders sichtbar.
All diese Grundeinstellungen übertrage ich nun auf die anderen beiden Dateien, indem ich Synchronisiere. Dazu drücke ich bei aktivierter schon bearbeiteter Datei (erkennbar am blauen Rand um das Vorschaubild) den Button Alles auswählen links oben im Programm. Anschlieߟend öffne ich über Synchronisieren ein Vorschaufenster, aus denen ich Einstellungen wähle, die ich übertragen möchte (4).

Abb. 3-4

Chromatische Aberration korrigieren, Dateien synchronisieren

Nachdem nun alle drei Dateien in der Farbtemperatur und den anderen Einstellungen angeglichen sind, justiere ich die Kontraste der hellsten und der dunkelsten Belichtung. Bei der Einstellung helfen mir die Warnfarben für Tiefen- und Lichterbeschneidung, die ich über Buttons an den Seiten des Histogramms aktivieren kann (5). Fehlende Zeichnung in den Lampen oder ausgebrannte Fenster kann ich zusätzlich mit dem Anpassungspinsel lokal korrigieren. Mit kleiner und weicher Pinselspitze dunkle ich diese Stellen nach.
Vor Abschluß der Arbeit im Raw-Bearbeitungsprogramm überprüfe ich die Vorgaben mit denen ich das Bild in Photoshop öffnen werde. Architekturbilder verarbeite ich grundsätzlich in der höheren Farbtiefe von 16bit. Im Fenster Arbeits-Ablauf, das sich über die Infozeile unter dem grossen Bild öffnen lässt, kann ich die Farbtiefe einstellen (7).

Abb. 5-7

Helligkeiten fein justieren, Farbtiefe und Ausgabegröße einstellen

Sind alle Einstellungen komplett, schließe ich die Dateien mit Druck auf den Button fertig. Die Korrekturen sind jetzt als Einstellungen gespeichert. Die Bearbeitungen im Raw Programm sind nicht zerstörend und können nachträglich noch verändert werden.

Ebenen-Sandwich in Photoshop verschmelzen

8. Fertig bearbeitete Dateien schlieߟen und aus Bridge über “Werkzeuge / Photoshop / Dateien in Photoshop-Ebenen laden…” . Tutorial © Dietrich Hackenberg

8. Fertig bearbeitete Dateien schlieߟen und aus Bridge über Werkzeuge / Photoshop / Dateien in Photoshop-Ebenen laden…

Die weitere Bildbearbeitung erfolgt nun im Programm Adobe Photoshop. Aus der Bridge öffne ich die drei Raw Dateien gleichzeitig über die Menüfunktion Werkzeuge / Photoshop / Dateien in Photoshop-Ebenen laden (8). Jetzt liegen die Belichtungen als drei Ebenen gestapelt in einer einzigen Photoshop-Datei vor. Die Ebene der mittlere Belichtung ziehe ich im Ebenenregister an die unterste Stelle.
Trotz Benutzung von Stativ und Fernauslöser bei der Aufnahme, sind die Bilder von Belichtung zu Belichtung oft um wenige Pixel verschoben. Vor der Weiterbearbeitung muss ich deshalb die Ebenen exakt ausrichten. Beim Ausrichten hilft mir Photoshop mit einer Funktion, die eigentlich zum Zusammensetzen von Panoramen gedacht ist. Dazu wähle ich bei gehaltener Umschalttaste alle drei Ebenen im Ebenenregister aus und klicke im Menü auf „Bearbeiten / Ebenen automatisch ausrichten“. Im Auswahlfenster wähle ich die Funktion „auto“ und klicke „o.k“ (9).

9. Die drei ausgewählten Ebenen über “Bearbeiten/ Ebenen automatisch ausrichten” exakt übereinandelegen. Tutorial © Dietrich Hackenberg

9. Die drei ausgewählten Ebenen über Bearbeiten/ Ebenen automatisch ausrichten exakt übereinandelegen.

Die ausgerichteten Ebenen werden als Nächstes über Masken verschmolzen. Als erstes möchte ich die durchgezeichneten Lichter der dunklen Belichtung für mein Bild auswählen. Dazu blende ich die oberste Ebene, das ist die helle Belichtung, erstenmal über das nebenstehende Augensymbol aus, um freie Sicht auf die dunklere Belichtung zu erhalten. Dann wähle ich die dunklere Ebene aus und füge eine Ebenenmaske ein, indem ich am Ende der Ebenenpalette auf das Masken-Icon drücke (graues Kästchen mit hellem Kreis). In der Bildansicht verändert sich erst einmal nichts, denn die Maske ist weiss, d.h. vollkommen durchlässig. Um über die Maske bestimmte Tonwertbereiche auswählen bzw. ausschließen zu können öffne ich über den Button Farbbereich in der Ebenenpalette Masken das Farbereich-Popupfenster. Jetzt kann ich mit einer Pipette die Bereiche auswählen, die über die darunterliegende Ebene geblendet werden sollen (10).

10. Die eingeblendete Ebene der dunklen Belichtung maskieren und über Farbereich die Lichter auswählen. Tutorial © Dietrich Hackenberg

10. Die eingeblendete Ebene der dunklen Belichtung maskieren und über Farbereich die Lichter auswählen.

Dazu klicke ich mit der Pipette auf die Lichter des Bildes. Bei gedrückter Umschalttaste kann ich durch zusätzliche Klicks ins Bild mit der Pipette weitere Tonwerte hinzufügen. Über Toleranz lässt sich der Menge der ausgewählten Farbtöne vergrößern. Bei Häckchen an Lokalisierte Farbgruppen grenze ich durch Schieben des Bereichwählers die Zone im Bild ein, aus der ausgewählt wird. Damit ist mir ein flexibles Werkzeug an die Hand gegeben, passende Bildbereiche zu maskieren (11).
Mit dem Pinselwerkzeug kann ich die einmal erstellte Maske weiter verfeinern, indem ich mit weicher Kante und geringer Deckkraft in der Maske male. (12) Mit weisser Farbe blende ich weitere Bereiche ein und mit schwarzer aus. Will ich die schwarzweisse Maske sehen und nicht das Ergebnis in der Überblendung, so klicke ich mit gedrückter „Alt-Taste“ auf das Maskensymbol neben der Ebene (13).

Abb. 11-13: Masken


Popupfenster Farbereich. Nachbearbeiten der Masken.

Feintuning mit Einstellungsebenen

14. Nachdem ich die maskierten Ebenen auf Hintergrundebene reduziert habe. Nehme ich weitere Korrekturen z.B. der Farbbalance über Einstellungsebenen vor. Tutorial © Dietrich Hackenberg

14. Nachdem ich die maskierten Ebenen auf Hintergrundebene reduziert habe. Nehme ich weitere Korrekturen z.B. der Farbbalance über Einstellungsebenen vor.

Sehen die Überblendungen der drei Ebenen gut aus, kann ich sie auf eine Hintergrundebene reduzieren. Im nächsten Schritt gleiche ich lokale Farbstiche wie zum Beispiel den zu warmen Farbton des Bodens unter der Empore aus. Den zu korrigierenden Bereich umkreise ich mit dem Lassowerkzeug. Dann wähle ich die Einstellungsebene „Farbbalance“ aus der Korrekturen-Palette. Automatisch wird eine Maske angelegt, die im ausgewählten Bereich weiss bleibt. Über die Drei Regler korrigiere ich jetzt die Farbe. Noch ist der Übergang der Maske hart. Über den Regler Weiche Kante in der Maskenpalette stelle ich die Pixelbreite des weichen Übergangs ein (14). Für zusätzliche Detailkorrekturen zeichne ich wieder mit weissem oder schwarzen Pinsel in der Maske. Über weitere Einstellungsebenen kann ich noch andere Sättigungs-, Kontrast oder Farbkorrekturen vornehmen. Solange die Einstellungsebenen vorliegen kann ich auch frühere Korrekturen noch einmal ändern. Erst wenn alles passt, wende ich sie endgültig an, indem ich alle Ebenen auf die Hintergrundebene reduziere.
Zuletzt gleiche ich noch perspektivischer Verzerrungen aus (15, 16), retuschiere störende Elementen (17), beschneide und schärfe das Bild.

Abb. 15-17 Objektivkorrekturen und Bildretusche

Ausgleich perspektivischer Verzerrungen und Retusche störender Elemente.

Lohn der umfangreichen Bildbearbeitungen: eine realistisch aussehende Architekturaufnahme mit ausgeglichenen Kontrasten.

Altkatholische Friedenskirche, Essen. Foto © Dietrich Hackenberg

Altkatholische Friedenskirche, Essen.

„Belichtungsreihe“ aus einer Aufnahme per Smart-Objekt

Und was mache ich, wenn ich keine Belichtungsreihe mit dem Fotoapparat aufgenommen habe? Ich erzeuge eine „Belichtungreihe“ per Camera-Raw! Mit drei unterschiedlichen Bearbeitungen einer Aufnahme im Raw-Programm, hole ich das Beste aus Lichtern, Mitteltönen und Tiefen heraus.
Am Einfachsten geht das, indem ich meine Bearbeitungen aus Camera Raw in Photoshop als sogenannte Smart-Objekt-Ebenen anlege. Smart-Objekt-Ebenen in Photoshop bleiben auch nachträglich im Ursprungsprogramm bearbeitbar. D.h. ich kann eine einzelne Smart-Objekt-Ebenen zur Bearbeitung erneut in Camera öffnen und ohne Qualitätsverlust die Veränderungen übernehmen.

Bei gedrückter Umschalt-Taste öffnet Camera-Raw die Datei als “Smart-Objekt” in Photoshop. Tutorial © Dietrich Hackenberg

18. Bei gedrückter Umschalt-Taste öffnet Camera-Raw die Datei als “Smart-Objekt” in Photoshop. © Dietrich Hackenberg

Habe ich eine Raw-Datei in Camera-Raw geöffnet, drücke ich die Umschalt-Taste, um meine erste Camera-Raw-Bearbeitung als „Smart-Objekt“ in Photoshop zu öffnen. Der Button Bild öffnen wandelt sich bei gehaltener Umschalt-Taste in Objekt öffnen (18). In Photoshop wird eine Smart-Ebene angelegt, erkennbar an dem kleinen Symbol im Ebenenbild.
Als Nächstes kopiere ich diese Ebene zweimal in Photoshop. Dazu wähle per rechtem Mausklick auf das blau unterlegte Feld neben dem Ebenenbildchen Neues Smart-Objekt durch Kopie (19). Bitte nur auf diese Weise kopieren, sonst bleiben die Smart-Ebenen verknüpft und lassen sich nicht unterschiedlich im Raw Programm bearbeiten!
Um die Smart-Objekte in Camera-Raw zu öffnen, klicke ich auf das jeweilige Ebenenbildchen (20). Je eine Kopie bearbeite ich nun für durchgezeichnete Lichtern und eine für aufgehellte Schatten. Per Button Ok bestätige ich jeweils meine neue Bearbeitung im Raw Programm — sie wird ohne Verlust in Photoshop übernommen. Die Smart-Ebenen kann ich jetzt, wie gewohnt, über Masken verschmelzen.
Ich erhalte ein Bild mit einer guten Durchzeichnung in Schatten und Himmel, weil ich die jeweiligen „Belichtungssstufen“ aus der Raw-Datei erzeugt habe.

Abb. 18-19: Smart-Objekt


Smart-Objekt Ebenen kopieren und in Camera-Raw öffnen.